Warum der Bitcoin nicht für Kriminelle geeignet ist

Vorurteil: Bitcoin wird von Kriminellen zur Abwicklung ihrer Geschäfte genutzt

In der Diskussion um das Potential der Blockchain/des Bitcoins hält sich leider ein Vorurteil hartnäckig: Bitcoin benötigt keine kontrollierenden Institutionen (z. B. Banken) – es handelt sich um „digitales Bargeld“. Hieraus wird nun fälschlicherweise abgeleitet, dass es dann ja ideal für Kriminelle ist, die die Spuren ihrer Transaktionen verwischen wollen. Wer sich mit Blockchain auskennt, weiß dass dem nicht so ist.

Die Blockchain – ein digitales und öffentliches Kassenbuch

Die Blockchain ist eine große Datenbank, sie sichert Transaktionsdaten dauerhaft und fälschungssicher. Der Bitcoin ist eine sogenannte „Public Blockchain“. Dies bedeutet, dass sich jeder an der Bitcoin-Blockchain beteiligen kann und dass die in der Blockchain gespeicherten Transaktionsdaten öffentlich eingesehen werden können:

 

 

Alleine aus der Definition einer Blockchain muss man sich schon die Frage stellen, ob Kriminelle ein Interesse daran haben können, dass jede ihrer illegalen Transaktionen für alle Zeiten öffentlich einsehbar gespeichert wird.

Die Transparenz der Bitcoin-Blockchain (Public Blockchain)

Der Blockexplorer

Über den offiziellen Blockexplorer blockchain.info (und viele andere Seiten) können die Daten der Bitcoin-Blockchain ausgelesen werden. Man kann dem Bitcoin-Netzwerk wortwörtlich bei der Arbeit über die Schulter schauen!

 

Hier sind die Blöcke zusehen, in denen Bitcoin-Transaktionen gespeichert werden. Diese werden kryptographisch zu einer Kette verbunden (daher der Name „Blockchain). Die Sicherheit der Blockchain entsteht aber erst durch das dezentrale Mining-Netzwerk und dessen gigantische Rechenleistung.

Der Block in der Bitcoin-Blockchain

Im Schnitt wird alle 10 Minuten ein Bitcoin-Block geschürft. So wie klassisch Berichte erstellt, geprüft, abgestempelt und abgeheftet werden, werden die Transaktionen geprüft, dokumentiert und in Blöcken zusammengefasst. Hieraus entsteht eine Kette, die Blockchain.

 

In diesem Block sind alle Transaktionen gespeichert. Diese Daten können später nicht mehr verändert werden, die Blockchain sichert sie gegen Manipulationen ab.

Öffentlich einsehbar sind der Sender, Empfänger, Betrag, Uhrzeit, Datum und der Hash. Weiterhin können in den Transaktionen noch andere Daten gespeichert werden (z. B. IP-Adressen, Dokumente, Bilder, Filme, Songs, Rechte, etc.). Diese Daten sind dann aber verschlüsselt und können nur von den Beteiligten eingesehen werden.

Die Bitcoin-Transaktion

Die Daten jeder Bitcoin-Transaktion werden dauerhaft und sicher gespeichert:

 

Warum ist dies so wichtig?

Um sicherzustellen, dass 1 Bitcoin immer ein Bitcoin bleibt, müssen die Coins vom Netzwerk genau verfolgt werden können.

Wenn ich 1 Bitcoin überweisen will, muss das Netzwerk sicherstellen, dass ich diesen 1 Bitcoin auch besitze. Außerdem muss sichergestellt werden, dass ich diesen 1 Bitcoin nicht mehrfach ausgeben kann.

So wie jeder Geldschein eine einzigartige Seriennummer hat und ich aus einem Schein nicht zwei machen kann.

Nur dass dies beim Bitcoin automatisch passiert und von Hochleistungscomputern verifiziert wird. Banken und Zentralbanken werden hierdurch überflüssig. Das Geld schützt und verbucht sich selbst.

Der Weg von Bitcoins durch das Netzwerk kann genau nachvollzogen werden:

 

Die Bitcoin-Adresse

Sender und Empfänger sind bei Bitcoin-Transaktionen nicht öffentlich. Sie haben spezielle „Kontonummern“ die Bitcoin- oder Netzwerk-Adressen (oder public keys) genannt werden:

 

Die „Kontonummern“ des Bitcoin-Netzwerkes sind auch nicht viel komplizierter als IBANs 😉

Durch die Kombination aus Zahlen, Buchstaben und Groß- und Kleinschreibung ist sichergestellt, dass es nahezu unendlich viele Adressen gibt und dass es fast unmöglich ist, Adressen zu „erraten“. Aus kryptographischer Sicht entsteht so eine sehr hohe Sicherheit.

Nachteilig ist, dass Bitcoins nicht zurückgeholt werden können, wenn man sie an die falsche Adresse schickt. Bitcoin-Transaktionen sind genauso einfach wie das Senden einer E-Mail, die ersten Transaktionen sollte man aber konzentriert durchführen.

Können Bitcoin-Adressen „entschlüsselt“ werden?

Es ist relativ einfach, Bitcoin-Adressen zuzuordnen. Dies kann über Tracking erfolgen (z. B. Posts auf facebook: „ich habe vor 5 Minuten meinen ersten Bitcoin gekauft…“) oder z. B. dadurch, dass man sich Zugang zu den E-Wallets verschafft (E-Wallets sind elektronische Geldbeutel für Bitcoins).

Da der Staat das Gewaltmonopol hat und mit dem Schutz der Bevölkerung und deren Eigentum beauftragt ist, haben Kriminelle hier schlechte Karten, wenn ihre Computer beschlagnahmt werden.

In den USA oder Deutschland können Bitcoin-Transaktionen schon seit Jahren von der Justiz nachvollzogen und zu Beweiszwecken eingesetzt werden. Es sind sicher noch keine Routine-Vorgänge, aber möglich ist vieles.

An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass die Finanzämter ebenfalls in der Lage sind, Bitcoin-Transaktionen nachzuvollziehen…

Die kriminelle Nutzung von Bitcoin ist Vergangenheit

In den Anfangsjahren (2010-2013) kam es immer wieder zur kriminellen Nutzung von Bitcoins – auch Kriminelle dürfen sich ja mal irren.

Eines der bekanntesten Projekte ist die „Silk Road“ ein Online-Handelsplatz über den schnell alles gehandelt wurde. Mittlerweile geschlossen, die Gründer wurden verurteilt.

Kriminelle können sich nicht hinter Bitcoins verstecken. Das Vorurteil hält sich hartnäckig, unter anderem auch durch den „Einsatz“ von Bitcoins in Fernseh-Krimis (z. B. für Lösegeldforderungen oder Terrorismus-Finanzierung). Durch den Artikel sollte deutlich geworden sein, dass sich jeder Kriminalbeamte nur wünschen kann, dass mehr Kriminelle Bitcoin nutzen würden.

Und es gibt bereits Unternehmen, die auf die Analyse und Auswertung von Blockchain-Daten spezialisiert sind.

Fazit: der Bitcoin ist für Kriminelle deutlich weniger geeignet als klassisches Bargeld

Dies sollte jedem klar werden, der sich mit den Grundzügen der Blockchain-Technologie vertraut gemacht hat. Leider offenbaren insbesondere die vielen Bitcoin-Kritiker und -Mahner häufig erschreckende Unkenntnis der zugrunde liegenden Technologie.

Wer behauptet, dass Bitcoin kriminell ist, zeigt nur, dass er keine Ahnung vom Thema hat.

Insbesondere, weil es mittlerweile spezielle Krypto-Währungen gibt, die zusätzliche Verschlüsselungen anbieten und somit die Nutzer vor Kontrolle von außen schützen (dies kann für die Menschen in totalitären Regimen aber auch für Kriminelle gut sein).

Die mittlerweile von Banken und Industrie entwickelten Private Blockchains sind aufgrund ihrer geringeren Transparenz und ihrer Zentralisierung grundsätzlich ebenfalls hervorragend für die Verschleierung von Transaktionen geeignet. Hier wird es letztlich auf die konkrete Umsetzung und staatliche Kontrolle ankommen.

Der Bitcoin wurde als Public Blockchain als Grundlage für ein neues, dezentrales, sicheres und digitales Finanzsystem entwickelt. Die Schaffung von Vertrauen ist von zentraler Bedeutung. Selbstverständlich gehört hier dazu, die Nutzung für Kriminelle unattraktiv zu gestalten.

 

 

 

 

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